Das große Gruscheln

Gruscheln könnte das neue Modewort werden. Es bezeichnet etwas zwischen kuscheln, knuddeln und „Ich denk an dich“ – so die gefühlte Interpretation. Im Studentenverzeichnis jedenfalls wird es gern und oft in diesem vermuteten Sinn verwendet. Was, du bist noch nicht drin? Das Konzept von studivz.de ist vielleicht nicht neu, aber es hat eine Anziehungskraft, der man sich als Neuangemeldeter kaum entziehen kann.

Einmal immatrikuliert, eröff net sich die rotumrahmte Welt einer einzigen großen Studenten-WG. Man wird nicht müde, nach (Ex)Freunden, Bekannten und Schulfreunden zu suchen. Hat man einen gefunden, so grast man dessen Freunde ab und baut langsam aber stetig seinen exklusiven „Inner Circle” aus. Der Suchtfaktor wird unterstützt von einer Pinnwand auf der eigenen Seite, auf der jeder Kommentare hinterlassen kann. Man kann Fotoalben einrichten, sich für Seminare verabreden oder eben das tun, was sonst in Mensa und Einschreibe-Warteschlangen passiert: fl irten. Die Erwartungen der Studivz-Gründer, Ehssan Dariani, Dennis Bemmann und Michael Brehm, wurden mehr als übertroff en. Zum Teil selbst noch Studenten arbeiten sie mittlerweile in einem Berliner Büro mit 20 Mitarbeitern an der Betreuung des Web-Portals. Seit Februar 2006 ist die Seite online, im Juli war bereits jeder zehnte Student dort. Seitdem gibt es täglich zahlreiche Neuanmeldungen, sodass Ende Oktober die Million-Marke überschritten werden wird. Und das alles durch Mundpropaganda. Das StudentenVerzeichnis entspricht dem Schlagwort des „social networking”, indem es sowohl real existierenden Beziehungen dient als auch ein Forum bietet, um Leute mit ähnlichen Interessen leichter zusammenzubringen. Die Gründer basteln bereits an anderen europäischen Portalen. Bleibt nur die Frage, was denn „gruscheln“ auf italienisch oder portugiesisch heißt. Egal, Hauptsache man wird gegruschelt. Das fühlt sich gut an.

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