Gegenentwurf zu Rosa

„Blau Luxemburg“ heißt nicht nur das aktuelle

Album von Caiman, sondern auch ein Alter

Ego des von Frankfurt nach Berlin gezogenen

Rappers. Der Name dieser Figur ist dabei

natürlich nicht zufällig gewählt. Er symbolisiert

den Charakter als männliches Gegenstück zu

Rosa Luxemburg, der wie sie dagegen aufbegehrt,

dass viele Dinge in dieser Welt schief laufen.

Ausbeutung am Arbeitsplatz, Machtmissbrauch

und Gefühlskälte werden in den kurzen

Stücken zwischen den einzelnen Liedern thematisiert,

um so ein durchgängiges Bild des „Inner

City Shit Life“ zu malen. Welche Farbe da am

besten passt, wird schnell klar.

bus: In „Was Du Nicht Siehst“ zählst du alle möglichen

Sachen auf, die du mit Blau verbindest.

Unter anderem rappst du auch „Blau wie unser

Mood“. Steht das also auch für den Blues?

Caiman: Es kann schon sein, dass diese Art

von Rap etwas von Blues hat, Modern City Blues

vielleicht. Die Zeile soll schon so eine Art Traurigkeit

beschreiben, wird dann aber zu der Forderung,

dass wir versuchen sollten, auch das

Positive zu sehen: „Aber vielleicht fehlt uns nur

Licht, denn blau ist der Himmel jeden Tag. Wir

sehen’s nur nicht.“

Es werden bei dir positive und negative Dinge

mit dem Wort „Blau“ verbunden. Ist die Farbe

für dich wertneutral?

Ich glaube, Blau hat als Farbe schon einen Charakter.

Für mich ist der stark, hat Tiefe und Klarheit.

Ist der Name deiner Figur auch eine Anspielung

auf Rosa Luxemburg?

Das ist auf jeden Fall eine Referenz zu ihr. Blau

ist die männliche, etwas kaputte und aktuelle

Version von Rosa. Er gründet keine Parteien und ist kein politischer Redner, sondern drückt sich

eben durch Rap aus.

Wie unterscheidet sich Blau Luxemburg von Caiman?

Blau ist die Seite von Caiman, die verärgert ist

von dem, wie es hier läuft und sich Luft macht.

Auch mal melancholisch, möglicherweise etwas

düster. Vielleicht kommt irgendwann die Zeit für

eine Komplementärfi gur: Orange Bud, der einfach

eine gute Zeit hat. Mit Rauchen, Trinken, Sonnenschein

und der sich mehr um die Ladys kümmert.

Aber jetzt ist gerade Blau im Vordergrund.

Nach dem Stück „Muss Gehn“ triff st du ja auf einen

sprechenden Alligator. Hältst du da einen Dialog

zwischen deinen verschiedenen Alter Egos?

Das ist die Idee. Blau fl üchtet, als er gar nicht

mehr klarkommt, aus der Stadt und triff t ein Alligatorwesen.

Caiman hat da eben schon ein paar

Strategien gefunden, auch mal die schönen Seiten

der Welt zu sehen und kann dann Blau ab

und zu ein bisschen weiterhelfen.

Das Album wird durch eine Geschichte getragen.

Willst du noch einmal so ein Konzept verfolgen

oder war das eher eine einmalige Sache?

Ich weiß noch nicht genau, wie das auf dem

nächsten Album aussehen wird. Ich mag auf jeden

Fall diese Konzeptsachen. Es könnte aber

auch noch mehr Richtung Hörspiel gehen.

Wird überhaupt noch mal was von oder mit

Blau Luxemburg kommen?

Das hoff e ich sehr. Ich glaub, das ist auch

notwendig. Vielleicht so was wie „Blau In Darfur“.

Oder doch „Blau Im Bundestag“?

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