Baustelle

Der Bologna-Prozess, der als Wurzel allen Hochschulübels gilt, steuert in sein elftes Jahr. Das zehnjährige Jubiläum der Unterzeichnung der Erklärung von Bologna zeigte keinen Richtungswechsel, am lautesten waren die kritischen Stimmen.

Im Juni protestierten bundesweit Nachwuchsakademiker für die sozia­le Öffnung der Hochschulen, die Abschaffung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der derzeitigen Form, eine Demokratisierung des Bildungssystems und die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen.

Die Hektik der komprimierten Bachelor-Studiengänge sei geprägt durch die Jagd nach ECTS-Leis­tungspunkten, die oftmals anfallenden Studiengebühren und die entmündigende Modularisierung des Lernstoffs gemäß Industrievorgaben. Controlling, Rankings und Ratings bestätigten den Verdacht einer neoliberalen Politik der Effizienzkontrolle. Begleitend erschien das „Schwarzbuch Bologna“, das zwischen dem Jammern die größten Missstände benennt.

Die regelmäßigen Hochschulrankings des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dessen Nähe zur Bertelsmann-Stiftung skeptisch stimmen sollte, treiben die Suche der Hochschulen nach vermeintlichen Profilierungsleis­tungen weiter voran. Ebenso wie das „Elite“-Siegel. Erste Hochschulen ziehen sich bereits aus den CHE-Rankings zurück.

Kaum jemand ist mit dem jetzigen Hochschul-System zufrieden, die Vorstellungen für eine Verbesserung gehen weit auseinander. Vielerorts wird bereits leise an einer Reform der Bolognareformen gearbeitet. So erwägen beispielsweise Bundes- und verschiedene Landesbildungsminister, den Bachelor um ein bis drei Semester zu verlängern.

Robert Andres
Über Robert Andres (33 Artikel)
Computerfreak und enthusiastischer Student. Vollblut-Berliner, der beinahe gern Lehrer geworden wäre.

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