Rauchen verboten

Drogen gibt es im deut­schen Gesetz nicht, nur Betäu­bungs– und Rausch­mittel. Den Umgang damit regelt das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz (BtMG). Das Gesetz unter­teilt nicht nach phar­ma­ko­lo­gi­scher oder bio­che­mi­scher Wirkung.

Das Gesetz unter­teilt nicht nach phar­ma­ko­lo­gi­scher oder bio­che­mi­scher Wir­kung und nicht nach Gefähr­lich­keit, son­dern ist eine kul­tur­his­to­ri­sche, poli­ti­sche Ent­schei­dung“, stellt Frank Prinz-Schubert klar. Er arbeitet bei der Sucht­prä­ven­ta­ti­ons­fach­stelle des „Chill out e.V.“ in Potsdam. Des­halb ist Alkohol erlaubt und Can­nabis verboten.

Viele Men­schen, die Hilfs­an­ge­bote wahr­nehmen, haben nicht nur Dro­gen­pro­bleme, son­dern sind meist auch straf­fällig geworden. Man gerät zwangs­läufig in Kon­flikt mit dem Gesetz, denn Handel, Besitz, Beschaf­fung und Ein­fuhr von Rausch­mit­teln sind illegal. Das beschert vielen neben der Sucht das wei­tere Pro­blem, ins Gefängnis zu müssen.

Recht auf Rausch

Die Dro­gen­er­fah­rung selbst ist wegen des ver­fas­sungs­recht­lich aner­kannten „Rechtes auf Rausch“ nicht ver­boten – jedoch ist es kaum mög­lich, legal einen Rausch­zu­stand herbeizuführen.

Foto: Albrecht Noack

Die Tole­ranz der Behörden ist in jedem Bun­des­land unter­schied­lich. Nicht jeder und alles wird ange­zeigt, ver­folgt und ver­ur­teilt. Grund­sätz­lich muss aber jeder mit „Frei­heits­strafe bis zu fünf Jahren oder mit Geld­strafe“ rechnen, der „Betäu­bungs­mittel uner­laubt anbaut, her­stellt, mit ihnen Handel treibt, … ein­führt, aus­führt, ver­äu­ßert, abgibt, … erwirbt oder sich in sons­tiger Weise ver­schafft“ (BtMG). Bekommt man eine Haft­strafe unter zwei Jahren, kann man nach Para­graf 35 des BtMG bean­tragen, die Haft aus­zu­setzen und eine The­rapie zu beginnen.

Aus seiner Berufs­er­fah­rung weiß Frank, dass die Gründe für Dro­gen­ge­nuss indi­vi­duell ver­schieden sind. Er ver­tritt einen selbst­be­stimmten, ver­ant­wor­tungs­vollen Umgang. Ideal sind natür­lich die kör­per­ei­genen Drogen, die bei Sport oder Medi­ta­tion ent­stehen. Wer kör­per­fremde Drogen nehmen will, sollte so spät wie mög­lich anfangen, denn je jünger man ist, desto stärker inte­griert sie der Körper „wie eine Täto­wie­rung, die sich fest­setzt“. Grund für Dro­gen­konsum sollten nur der Genuss und die eigene Ent­schei­dung dafür sein. Je sel­tener, desto besser.

Schwa­ches Gesetz?

Ob eine Lega­li­sie­rung oder das hol­län­di­sche Tole­rie­rungs­mo­dell den Dro­gen­konsum ver­rin­gern oder sicherer machen würde, ist umstritten. Am Sucht­ver­halten und dem Cha­rakter der Droge als lebens­struk­tu­rie­rendes Ele­ment würde sich nichts ändern, meint Erik, der als Bezugsthe­ra­peut in einer sta­tio­nären Sucht­hilfe arbeitet.

Warum so viele Men­schen Drogen kon­su­mieren, sieht Frank von der Sucht­prä­ven­ti­ons­stelle im BtMG begründet: „Ein Gesetz macht nur Sinn, wenn es für die Leute rational erfassbar ist, und sie die Logik dahinter ent­de­cken. Des­wegen glaube ich, dass das Unrechts­be­wusst­sein nicht so aus­ge­prägt ist, wie der Staat es sich wünscht.“ Die Poli­tiker, die Juristen und Poli­zei­prä­si­denten sollten das BtMG über­ar­beiten und die Drogen nach­voll­ziehbar gewichten. „Denn in einem Jung­geist regt sich Wider­stand, wenn er die Logik der Erwach­senen nicht auf sein Ver­ständnis her­un­ter­trans­po­nieren kann.“ Das Gesetz ver­kom­pli­ziert die Dro­gen­dis­kus­sion mehr als dass es Lösungen anbietet.

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