Der erste Kontakt

Es mag Studierende geben, die quasi noch aus

dem Hörsaal heraus ihre erste Anstellung finden.

Doch trotzdem ist erst einmal jeder „… verpflichtet,

sich spätestens drei Monate vor Beendigung

eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses

persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend

zu melden”, heißt es in der Broschüre „Ihre

Rechte – Ihre Pflichten: Merkblatt für Arbeitslose“.

Also ging ich vor meiner letzten Prüfung pflichtbewusst

zur zuständigen Bundesagentur.

Der erste Antrag wurde gleich dort ausgefüllt

– und auch direkt abgelehnt. Da ich zuvor

in keinem Versicherungspflichtverhältnis gestanden

hatte, bekam ich kein Arbeitslosengeld.

Dafür aber den Antrag „auf Leistungen

zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem

zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) – Arbeitslosengeld

II/Sozialgeld“. Die 30 Seiten habe

ich mir nie durchgelesen. Schließlich hoffte ich,

nicht auf Unterstützung angewiesen zu sein. Nicht gleich ausgehändigt bekam ich den

„Antrag auf Gewährung von Bewerbungskosten“,

obwohl ich den gerne genutzt hätte.

Denn damit

werden

die Kosten

für

die Bewerbungen teilweise unterstützt. Allerdings

nicht rückwirkend, sondern nur, nachdem der

Antrag angefordert wurde. Verständlicherweise

sollen die Ausgaben der Bundesagentur so

gering wie möglich bleiben.

Ich meldete mich erst wieder bei der Agentur,

als ich auf das Angebot einer Initiative stieß,

die jungen Akademikern Berufserfahrung in

Praktikumsdosis vermitteln wollte. Die Arbeitsagentur

sollte das fördern. Also rief ich in der

Zentrale an, die eine eMail an meinen Betreuer

schickte. Schon ein paar Tage später wurde ich

übers Handy angerufen – hatte aber unpraktischerweise

die Unterlagen gerade nicht bei mir.

Mein Vorschlag, die Infos zu mailen, wurde abgelehnt.

Stattdessen sollte ich mich wieder melden.

Kaum zuhause, rief ich wieder in der Zentrale

an. Das Spiel begann von vorn – bloß dass

ich diesmal darauf vorbereitet war und die Papiere

immer parat hatte. Trotzdem sollte ich lieber

mal persönlich vorbeikommen.

Also bekam ich entgegen der üblichen Prozedur

schon alle Unterlagen von der Initiative gemailt,

um dann zu erfahren, dass mein Betreuer

so eine Förderung für „etwas verfrüht” hielt, da

ich gerade mal ein paar Wochen arbeitslos gemeldet

war. Dafür konnten wir die Unterlagen

abgleichen – zum Beispiel mich als „arbeitssuchend“

einstufen. Ach, bisher war ich gar nicht

arbeitssuchend? Okay. Außerdem sollte ich unterschreiben,

dass ich eine „intensive bundesweite

Stellensuche (u. a. Nutzung von Internet)“

durchführen wurde. Ja, jetzt wusste ich endlich,

was zu tun sei. Zum Glück hatte ich kurz danach

meinen ersten Job in der Tasche. Tschüssikowsi,

Arbeitslosigkeit!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*