Ort der Dialoge: Akademie der Wissenschaften

Als Ber­li­ner Stu­dent kann man an der Aka­de­mie über den Tel­ler­rand schauen.
Ler­nende und For­schende finden Anre­gun­gen und Gesprächspartner.

Am Gen­dar­men­markt tum­meln sich vor allem Tou­ris­ten, die sich den his­to­ri­schen Platz anschauen, den Deut­schen und Fran­zö­si­schen Dom bestau­nen und sich von ihren Guides das Kon­zert­haus erläu­tern lassen. Bei sol­chen Besich­ti­gun­gen wird das Gebäude gegen­über dem Kon­zert­haus fast immer igno­riert. Das im Ver­gleich zum Kon­zert­haus zurück­hal­tend monu­men­tale Haus beher­bergt die Berlin-Bran­den­bur­gi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten. Die außer­uni­ver­si­täre For­schungs­ein­rich­tung hat hier ihren Haupt­sitz und könnte das künf­tige Mekka aller wiss­be­gie­ri­gen Ber­li­ner und Bran­den­bur­ger Stu­den­ten werden. Hier trifft sich die Creme de la Creme der Wis­sen­schaft­ler aus allen Fach­be­rei­chen, um inter­dis­zi­pli­när oder in ein­zel­nen Pro­jek­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten. Auch als Stu­dent hat man hier die Mög­lich­keit, Nutzen für das eigene Stu­dium zu ziehen.

Foto_ Kai Bienert

Interdisziplinarität

Die Ber­li­ner Aka­de­mie bietet im Winter- und Som­mer­se­mes­ter viel­fäl­tige Ver­an­stal­tun­gen in Form von Vor­trä­gen, Podi­ums­dis­kus­sio­nen, Sym­po­sien, Tagun­gen und Fest­ver­an­stal­tun­gen. Das Aka­de­mi­en­vor­ha­ben „Alt­ägyp­ti­sches Wör­ter­buch“ ver­an­stal­tet bei­spiel­weise noch bis April die Vor­trags­reihe „Karl Richard Lep­sius – Der Begrün­der der deut­schen Ägyp­to­lo­gie“ anläss­lich dessen 200. Geburts­ta­ges. Hier haben Stu­den­ten die Chance, die Kory­phäen ihres Faches ken­nen­zu­ler­nen. Regel­mä­ßig finden auch ein­zelne Vor­träge von Aka­de­mie­mit­glie­dern statt, die Aus­kunft über den Wis­sens­stand in ein­zel­nen Gebie­ten geben. Unter den aktu­el­len Mit­glie­der tum­meln sich viele Ber­li­ner Wis­sen­schaft­ler, welche die Studis aus dem Hör­saal kennen: Jürgen Kocka, Domi­nik Perler, Chris­toph Mark­schies oder Gudrun Krämer. Die Aka­de­mie hat drei Stand­orte: den Haupt­sitz am Gen­dar­men­markt, die Biblio­thek Unter den Linden und eine „Außen­stelle“ in Pots­dam am Neuen Markt. Ins­ge­samt wird in über 30 Vor­ha­ben, Pro­jek­ten und inter­dis­zi­pli­nä­ren Arbeits­grup­pen geforscht. In der Marx-Engels- Gesamt­aus­gabe – bekannt als „MEGA“ – werden seit Jahren die Werke der beiden Gesell­schafts­theo­re­ti­ker her­aus­ge­ge­ben. Die Inter­dis­zi­pli­näre Arbeits­gruppe „Glo­ba­ler Wandel“ erforscht, wie sich räum­li­che Ord­nungs­mus­ter in der Schwer­punkt­re­gion Berlin-Bran­den­burg wan­deln, und erfasst deren Ursa­chen, um daraus neue Hand­lungs­ori­en­tie­run­gen zu gewinnen.

Lernen außerhalb der Uni

Die Aka­de­mie ist ein offe­nes Haus, und so können nach Anmel­dung auch Stu­den­ten das Archiv und die Biblio­thek der Aka­de­mie nutzen. Hier findet sich nicht nur alles über die Geschichte der Insti­tu­tion und ihrer Mit­glie­der. An den hei­me­li­gen Lese­plät­zen der Biblio­thek ist ein unge­stör­tes Lesen und Lernen noch mög­lich. Die Wis­sen­schaft soll ihre Kunde aus dem Elfen­bein­turm her­aus­tra­gen, des­halb sind nicht nur Stu­die­rende und Aka­de­mi­ker, son­dern alle inter­es­sier­ten Per­so­nen zu den Höhe­punk­ten des Jahres ein­ge­la­den. All­jähr­lich im Januar lädt der „Salon Sophie Char­lotte“ zu einem Thema in die Aka­de­mie ein. Im Juli werden im Rahmen des Leib­niz-Tages Preise ver­lie­hen, neue Mit­glie­der vor­ge­stellt und Kon­takte gestärkt. Im Novem­ber feiert man in Pots­dam den Ein­stein-Tag. Wer sich erst einmal in die Mitte der Besten getraut hat, kann bereits als Stu­dent davon profitieren.

Insze­nie­rung der Jungen Aka­de­mie im Salon Sophie Char­lotte 2011

HINTERGRUND

Die Berlin-Bran­den­bur­gi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (vor­mals Preu­ßi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten) kann auf eine bewegte Geschichte zurück­bli­cken. Sie wurde 1992 durch einen Staats­ver­trag zwi­schen den Bun­des­län­dern Berlin und Bran­den­burg ins Leben geru­fen. Die Berlin Bran­den­bur­gi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (BBAW) steht in der Tra­di­tion der von Gott­fried Wil­helm Leib­niz im Jahre 1700 kon­zi­pier­ten und als spä­tere Preu­ßi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten welt­weit zu Ruhm und Anse­hen gelang­ten Ber­li­ner Wis­sen­schafts­aka­de­mie. Dieser Tra­di­tion fühl­ten sich bei­spiels­weise Johann Wolf­gang Goethe, Charles Darwin und Albert Ein­stein als Mit­glie­der ver­pflich­tet. 78 Nobel­preis­trä­ger prägen diese Geschichte. Mit ihren rund 200 gewähl­ten Mit­glie­dern ist die BBAW eine Fach- und Län­der­gren­zen über­schrei­tende Wis­sen­schaft­ler­ver­ei­ni­gung. Die Aka­de­mie dient der För­de­rung der Wis­sen­schaf­ten. Ihr For­schungs­pro­fil kenn­zeich­nen Arbei­ten zur Erschlie­ßung des kul­tu­rel­len Erbes, inter- und trans­dis­zi­pli­när ange­legte Pro­jekte von wis­sen­schaft­li­cher und gesell­schaft­li­cher Bedeu­tung sowie der Dialog zwi­schen Wis­sen­schaft und Öffentlichkeit.

www.bbaw.de

Über Christiane Kürschner (89 Artikel)
2004 bis 2010 Studium (Philosophie, Deutsche Philologie, AVL) an der FU, HU und Uni Bern. 2007 bis 2010 Fachjournalistikstudium. PR-Volontariat bis Juni 2011. Seit Juli 2011 freie Autorin und Texterin. Ihre Leidenschaften: Bücher, Fotografie und Essen- und in allem viel Farben. www.frollein-wortstark.de
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